That’s my Point of View (POV)

That’s my Point of View (POV)

by Rafaela Antosch
by Heike Drexler
by Magdalena Pichler
by Magdalena Schwarz

That’s my Point of View ist ein 90-minütiger Workshop für 10 Teilnehmende, der sich mit Wahrnehmung und Perspektivierung im Zeitalter der Postdigitalität auseinandersetzt. Vor dem Hintergrund einer sich zunehmend auflösenden Grenze zwischen analog und digital werden die Teilnehmenden eingeladen, ihre eigene Sichtweise (in der Umgebung, etwa im Außenbereich) zu hinterfragen.

Dazu entwickeln sie individuelle POV-Filter, die in eine Kartonbox eingefasst werden und mit denen sie ihren gewählten Standpunkt markieren und bearbeiten können. Durch gestalterische Verfahren wie Freistellen, Überlagern oder Ausblenden entsteht ein subjektiver Zugriff auf das zu erkundende Areal, der auch schriftlich festgehalten wird. Die individuell gesetzten POVs und die damit verbundenen Überlegungen werden anschließend in Kleingruppen gemeinsam durchwandert und reflektiert. Optional könnte eine abschließenden Reflexion mit der ganzen Gruppe das Projekt abschließen.

Der 90-minütige Workshop That’s my Point of View wurde erstmals im Rahmen des Vienna Digital Cultures Festivals 2026 am Foto Arsenal Wien durchgeführt. Thematisch stand das Festival unter dem Titel „Alone or Together?“. Hierbei steht die Frage im Raum, wie sich das Subjekt und auch das Zusammenleben aller durch die zunehmende Durchdringung der Digitalität in unserem Alltag verändert. An dieser Stelle setzt das Vermittlungskonzept an, indem digitale Praktiken in einen analogen gemeinschaftlichen Raum überführt und somit reflektiert und offengelegt werden. (Vgl. ALONE OR TOGETHER?, 2026).


Theoretische Verortung oder Kontexte des Workshop:

Postdigitalität im Kunstunterricht
In ihrem Artikel „Kunst und Medienbildung in der digital vernetzten Welt. Forschungsperspektiven im Anschluss an den Begriff der Postdigitalität.“ definiert Kristin Klein Postdigitalität als die vollständige Integration digitaler Technologien in den Alltag, welche die menschliche Wahrnehmung unbewusst mit formt. So schreibt Klein: „Denn selbst, wenn es sich bei der Digitalisierung um asynchrone und graduell verschieden wirkende Prozesse handelt, berühren und verändern diese in einem sozialen Gefüge die Wahrnehmungs- und Vorstellungswelten, die normativen Lebensrealitäten aller.“ So sollte auch der Kunstunterricht laut Klein diese Verflechtungen kritisch reflektieren, um diese Zusammenhänge aufzuzeigen (Vgl. Klein, 2019).

Über Point of View
Der Begriff Point of View wurde ursprünglich im Film etabliert. Bereits in frühen Filmen aus der Zeit um 1900 wurde mittels unterschiedlicher Techniken dargestellt, was ein bestimmter Charakter sieht. Dieses Annehmen einer subjektiven Perspektive wurde später zum sogenannten point-of-view shot weiterentwickelt, der den Betrachter_innen einen subjektiven Blickwinkel auf das Geschehen der Szene ermöglicht (Vgl. Bonnard, 2015, S. 114-115).

Treffpunkt und Begrüßung bei der Arbeitsstation mit der Lehrperson (LP) (5 Min.)


Intro Ablauf Workshop durch LP (5 Min.)

Info konkret zu Arbeitsaufgaben (A1-A3) sowie zu Ablauf und Dauer des Workshops
[Material: Muster-Exemplar Kartonbox mit Filtern, zur Veranschaulichung]


Intro Thema und Kontext, Fragen klären (LP/Gruppe) (10 Min.)

Einführung zu Thema sowie Kontext des Workshops (LP)
Begriffe gemeinsam besprechen (Postdigitalität, POV, Filtervarianten, Freistellen, usw.)
Verteilung von Handout mit Anleitung zu A1;
Fragen klären
[Material je Teilnehmer_in: Handout]


Ausgabe der Tools durch LP pro Teilnehmer_in (10 Min.)

Austeilen von Kartonbox, Marker, POV-Filter (blanko) und Klebeband/Kreide


A1: Suche (d)einen POV (Einzelarbeit) (20 Min.)

Jede_r Teilnehmende sucht einen POV (in der näheren Umgebung zur Workshopstation (z. B. im Außenbereich) und markiert diesen einen Standort mit Klebeband (oder Kreide)
HOW-TO-POV-Filter: Halte die Box (mit eingesetztem POV-Filter, blanko) auf Augenhöhe und markiere mit Marker den Umriss eines gewählten Objekts (grob nachzeichnen). Standort markieren. Danach kommt zurück zur Arbeitsstation.
[Material je Teilnehmer_in: Kartonbox, Marker, POV-Filter (blanko) und Klebeband/Kreide]


A2: Gestalten von POV-Filter und Experimentieren bei Arbeitsstation (Einzelarbeit) (20 Min.)
Gestalte hier den eigenen POV-Filter weiter. Wie? Zum Beispiel: Kommentieren, Objekt ausblenden, Sticker, Objekt hervorheben, usw. Dazu gibt es einen Materialien-Fundus (Folien, Marker, Papiere, …)

Experimentierphase (optional): Es stehen auch weitere fertige (Muster-)Filter und Materialien zur Auswahl und zum Probieren bereit.

[Material: Schneideunterlagen, Kartons, Folien (transparent/farbig/halbdurchsichtig), verschiedene Marker (permanent), Papiere (weiß/bunt), Cutter, Scheren, Kleber, Klammermaschine, Klebebänder, Schablonen, diverses Material zum Filterbau (recycelt, wie Netze, Schaumstoff, PET-Flaschen, usw.,]


A3 POV-Mixing und Reflexion (in Kleingruppe, je 3-4 Teilnehmende), als Abschluss (20 Min.)

Die Teilnehmenden bringen ihre Box zurück an die markierte Stelle und nehmen nacheinander die POV’s gegenseitig ein. Beim gemeinsamen Ausprobieren wird gleichzeitig über das Gesehene und Erlebte in Gruppen reflektiert. Optional kann eine gemeinsame Reflexion mit der ganzen Gruppe das Projekt abschließen.

[Material je Teilnehmer_in: Box mit POV-Filter und ggf. weitere Filter dazu]

  • Bonnard, Martin (2015): Between the Eye and the World. The Emergence of the Point-of-View Shot. In: Journal of Film Preservation. 2015, Iss. 93. Brüssel: International Federation of Film Archives.
Fertig erstellter Filter. Mittels Freistellen, Sticker, Typografie wird eine Straßenlaterne in Szene gesetzt.
Day&Night

Day&Night © 2026 by Rafaela Antosch, Heike Drexler, Magdalena Pichler, Magdalena Schwarz is licensed under CC BY 4.0.

Eine Teilnehmende nimmt den POV ein, um die Gestaltung eines Filters von der Backsteinmauer zu betrachten.
POV

POV © 2026 by Rafaela Antosch, Heike Drexler, Magdalena Pichler, Magdalena Schwarz is licensed under CC BY 4.0

Neun Filter, die von den Teilnehmenden im Rahmen des Workshops kreiert wurden, sind in drei Reihen aufgelegt.
Filter

FILTER © 2026 by Rafaela Antosch, Heike Drexler, Magdalena Pichler, Magdalena Schwarz is licensed under CC BY 4.0

Rafaela Antosch, Heike Drexler, Magdalena Pichler und Magdalena Schwarz studieren am Fachbereich Kunst und Bildung, Akademie der bildenden Künste Wien. Entstanden im Rahmen des Kurses „Fachdidaktik Kunst und Medien“ unter der Leitung von Helena Schmidt an der Akademie der bildenden Künste Wien in Zusammenarbeit mit dem Vienna Digital Cultures Festival (VDC) 2026 und FOTOARSENAL Wien 2026.

Ermutigungen seitens der Autor_innen
Dazu wird der Text von Kristin Klein empfohlen, in dem es um Kunst und Medienbildung in der digital vernetzten Welt geht (siehe unter Sources and References).

Vorwissen und Vorbereitung
Bei der Workshopdauer von 90-Min.-Format (DIY), ist seitens der der Lehrperson/Workshopleitung viel Vorarbeit zu leisten, denn pro Teilnehmenden bedarf es: 

Je Teilnehmer_in: 1 Box aus Karton (DIY),
Je Teilnehmer_in: 1 POV-Filter (feste transparente Folie in Kartonrahmen, DIY)
Je Teilnehmer_in: A3-Handout mit Anleitung und Schnitt-Vorlage für Box-DIY)
1 Box und diverse Filter (als Muster und zum Ausprobieren/Experimentieren, DIY)

Bei optionaler Erweiterung der Workshopdauer über 90 Minuten, könnte ein Handout, das auch eine Vorlage für den DIY-Boxenbau, samt Anleitung für Arbeitsaufgabe A1 beinhaltet, auch als Vorlage zum selbstständigen Bau der analogen Tools (Box, Filter) seitens der Teinehmenden verwendet werden.

Materialien für Filterbau und -gestaltung durch Teilnehmende (bei Arbeitsstation):
Karton, Papiere, Schablonen aus Papier (als Muster), Schneideunterlagen, Scheren, Cutter, Kleber, div. farbige Marker (permanent),(davon min. 1 pro Person für POV-Filter), Folien (transparent und farbig), Klammermaschine, Klebeband und/oder ggf. Kreide (pro Person zum Markieren v. POV-Standpunkt), diverses Material zum Filterbau (recycelt, wie Netze, Schaumstoff, PET-Flaschen,…)

Zugänglichkeit und Barrierefreiheit
Zu Beginn des Workshops ist neben der kollektiven Erarbeitung von theoretischen Zugängen und Begriffen zum Thema, vor allem das Vorzeigen mittels Muster-Box und Filter und den Arbeitsschritten zu Arbeitsaufgabe A1, für das Verständnis der Arbeitsaufträge (A1-A3) wichtig. 

Bei einer Gruppengröße unter 10 Teilnehmenden, ist die Aufteilung in Kleingruppen für Arbeitsaufgabe A3 nicht zwingend nötig. Bei mehr als 10 Teilnehmenden sind mehrere Kleingruppen für A3 (POV-Mixing und Reflexion) sinnvoll, weil sonst zu lange Wartezeiten entstehen.