Connect and Create.
Connect and Create.Kollektives Zeichnen
Das Projekt „Connect & Create“ wurde im Rahmen der Lehrveranstaltung Fachdidaktik Kunst und Medien für das Vienna Digital Cultures Festival 2026 entwickelt. Das Festivalthema „Alone or Together?“ war dabei ein wichtiger Ausgangspunkt. Die Teilnehmer:innen bekommen über einen digitalen Randomizer zufällig Zeichenaufgaben und setzen diese auf einer gemeinsamen Papierfläche um. Dabei geht es um Themen wie Individualität, Gemeinschaft und Zusammenarbeit. Wichtig ist nicht, perfekte Zeichnungen zu machen, sondern miteinander in Kontakt zu kommen, auf andere Zeichnungen zu reagieren und gemeinsam etwas entstehen zu lassen.
Description
Connect & Create“ wurde im Rahmen der Lehrveranstaltung Fachdidaktik Kunst und Medien für das Vienna Digital Cultures Festival 2026 entwickelt. Das Festivalthema „Alone or Together?“ war dabei ein wichtiger Ausgangspunkt. Dabei geht es darum, wie Gemeinschaft und Individualität entstehen, wenn digitale Technologien unser Miteinander beeinflussen.
Das Konzept verbindet Digitalität mit gemeinsamem Zeichnen. Die Teilnehmer:innen bekommen über eine Randomizer – App zufällig Zeichenaufgaben zu Themen wie Identität, KI, Gemeinschaft und Zukunft. Diese Aufgaben werden auf einer großen gemeinsamen Papierfläche umgesetzt. Einige Aufgaben können alleine gemacht werden und manche erfordern die Zusammenarbeit mit anderen Personen oder das Anknüpfen an vorhandene Zeichnungen.
Der Randomizer gibt dabei nur die Aufgabe vor. Wichtig ist, was danach auf der Papierfläche und zwischen den Teilnehmer:innen passiert. Zeichnungen können erweitert, miteinander verbunden und gemeinsam weiterentwickelt werden.
Die Personen können bei diesem Konzept eigene Ideen entwickeln oder auf Zeichnungen anderer reagieren und diese weiterführen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht perfekte Ergebnisse, sondern der Austausch und der gemeinsame kreative Prozess.
Lernziele
- Die Lernenden entwickeln kreative Ideen anhand offener Gestaltungsimpulse.
- Sie erproben kollaborative Arbeitsformen und reflektieren den gemeinsamen Gestaltungsprozess.
- Sie stärken ihre Kommunikations-, Kooperations- und Problemlösungskompetenzen.
- Sie setzen sich mit dem Zusammenspiel von digitalen Impulsen und analogem Gestalten auseinander.
- Sie erfahren Kunst als offenen, experimentellen und gemeinschaftlichen Prozess und entwickeln Vertrauen in ihre eigene kreative Ausdrucksfähigkeit.
Tasks and specific work steps
Aufgabe ziehen
Die Teilnehmenden starten auf einem Tablet die App Randomizer und erhalten einen zufälligen Zeichenimpuls zu Themen wie Identität, KI, Gemeinschaft oder Zukunft. Zu Beginn wird kurz erklärt, dass der digitale Impuls anschließend auf der gemeinsamen Papierfläche zeichnerisch umgesetzt wird.
Ideen entwickeln
Je nach Aufgabe entwickeln die Teilnehmenden zunächst eine eigene Idee oder treten mit einer anderen Person in Austausch. Einige Impulse fordern ausdrücklich dazu auf, gemeinsam zu zeichnen oder auf einen bestehenden Beitrag zu reagieren.
Gemeinsam gestalten
Die Teilnehmenden setzen den gezogenen Impuls auf der gemeinsamen Papierfläche um. Sie können neue Zeichnungen beginnen, bestehende Elemente ergänzen oder Verbindungen zwischen unterschiedlichen Beiträgen herstellen.
Kollektives Bild entwickeln
Während des Zeichnens können bereits vorhandene Beiträge aufgegriffen, erweitert oder miteinander verbunden werden. Auf diese Weise entsteht schrittweise ein gemeinsames Bild, obwohl die einzelnen Personen mit unterschiedlichen Impulsen begonnen haben.
Ergebnisse dokumentieren
Am Ende kann das entstandene Gesamtbild gemeinsam betrachtet werden. Dabei kann kurz besprochen werden, welche Zeichnungen allein entstanden sind, wo Zusammenarbeit stattgefunden hat und wie Beiträge anderer weitergeführt wurden. Das Ergebnis wird fotografisch dokumentiert.
Sources and References
- Djordjević, Valie / Dobusch, Leonhard (Hrsg.) (2014): Generation Remix. Zwischen Popkultur und Kunst.
Für unser Projekt ist besonders die Idee relevant, dass kreative Prozesse auf bereits Vorhandenem aufbauen und durch Veränderung, Weiterentwicklung und neue Verknüpfungen etwas Neues entstehen kann. Bei „Connect & Create“ zeigt sich das darin, dass die Teilnehmenden an vorhandene Zeichnungen anknüpfen, diese ergänzen oder mit eigenen Ideen verbinden.
- Autor*innenKollektiv Rassismuskritischer Leitfaden (2015): Rassismuskritischer Leitfaden zur Reflexion bestehender und Erstellung neuer didaktischer Lehr- und Lernmaterialien.
Für uns ist besonders der Abschnitt zu partizipativem Lernen wichtig. Dort geht es darum, dass Lernende eigene Perspektiven einbringen und innerhalb offener Lernprozesse selbst Entscheidungen treffen können. Das passt zu unserem Format, weil die Teilnehmenden die Zeichenimpulse auf ihre eigene Weise umsetzen und gleichzeitig auf Beiträge anderer reagieren können.
- Vienna Digital Cultures 2026: „Alone or Together?“
https://viennadigitalcultures.at/en/commissions/alone-or-together
Das Festival beschäftigt sich mit der Frage, welche Formen von Gemeinschaft und Individualität möglich sind, wenn digitale Technologien zwischenmenschliche Interaktionen vermitteln. Diese Frage war der Ausgangspunkt für „Connect & Create“. Der digitale Randomizer gibt einen Impuls, der anschließend in einen gemeinsamen analogen Gestaltungsprozess übergeht.
- John Dewey: Kunst als Erfahrung.
(Übersetzung aus dem Englischen von Christa Velten, Gerhard vom Hofe und Dieter Sulzer), Suhrkamp, Frankfurt am Main 2021.
Für „Connect & Create“ ist besonders die Idee wichtig, dass Kunst nicht nur als fertiges Objekt gesehen wird, sondern als Erfahrung, die im Tun, Wahrnehmen und im Austausch entsteht. Das passt zu unserem Konzept, weil nicht das perfekte Endergebnis im Mittelpunkt steht, sondern der gemeinsame kreative Prozess. Die Teilnehmenden reagieren aufeinander, greifen bestehende Zeichnungen auf und entwickeln das Bild gemeinsam weiter.
Images/Examples
Connect and Create Tablet © 2026 by Zoé Schwarz is licensed under CC BY-SA 4.0.
Connect and Create Titelbild © 2026 by Zoé Schwarz is licensed under CC BY-SA 4.0.
Connect and Create Work in Progress © 2026 by Zoé Schwarz is licensed under CC BY-SA 4.0.
Additional Information
Ermutigungen seitens der Autor_innen
Wir empfehlen das Format besonders dann, wenn gemeinsames Arbeiten und Austausch im Mittelpunkt stehen sollen. Bei unserer Durchführung haben wir erlebt, dass auch Personen, die sich vorher nicht kannten, über das Zeichnen miteinander in Kontakt kamen. Hilfreich war dabei, dass nicht alle bei einem leeren Blatt beginnen mussten: Bereits vorhandene Zeichnungen konnten aufgegriffen und weitergeführt werden. Dadurch entstand nach und nach ein gemeinsames Bild, in dem einzelne Beiträge miteinander verbunden wurden.
Das Format verlangt keine besonderen zeichnerischen Vorkenntnisse. Entscheidend ist vielmehr die Bereitschaft, sich auf offene Aufgaben, Zufall und Beiträge anderer einzulassen.
Bei der Durchführung war am Anfang für manche nicht ganz klar, wie der Randomizer mit dem Zeichnen zusammenhängt. Deshalb mussten wir den Ablauf zunächst mehrfach erklären. Danach hat es aber sehr gut funktioniert und die Besucher:innen konnten sich gut auf das Konzept einlassen. Besonders positiv war, dass auch Personen miteinander ins Gespräch gekommen sind, die sich vorher nicht kannten. Viele knüpften an vorhandene Zeichnungen an, erweiterten diese oder entwickelten gemeinsam neue Ideen. So ist nach und nach ein gemeinsames Bild entstanden.
Vorbereitung der Lehrperson
Für die Durchführung von Connect and Create sind keine vertieften kunsthistorischen Kenntnisse erforderlich. Hilfreich ist jedoch ein grundlegendes Verständnis von partizipativer Kunstvermittlung und prozessorientiertem Lernen. Die Lehrperson sollte mit der Idee vertraut sein, dass der kreative Prozess wichtiger ist als das fertige Ergebnis und dass offene Aufgabenstellungen unterschiedliche Lösungswege zulassen. Siehe empfohlene Literatur.
Voraussetzungen der Lernenden
Besondere Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Das Format eignet sich für unterschiedliche Altersgruppen und Leistungsniveaus. Hilfreich sind Offenheit für gemeinsames Arbeiten, Kommunikationsbereitschaft und die Bereitschaft, kreative Ideen auszuprobieren. Zeichnerische Fähigkeiten oder kunsthistorisches Wissen werden nicht vorausgesetzt.
Zeitlicher Aufwand für die Vorbereitung
Die inhaltliche Vorbereitung beträgt etwa 2–3 h. Dazu gehören das Kennenlernen des Ablaufs, das Vorbereiten der kreativen Impulse sowie die Überlegung, wie die abschließende Reflexion gestaltet werden soll.
Die praktische Vorbereitung umfasst etwa 1 h. Benötigt werden eine große Papierrolle oder mehrere große Papierbögen, Zeichenmaterialien sowie ein Smartphone oder Tablet mit einer Randomizer-App oder vorbereiteten Zufallsimpulsen.
Wichtige Hinweise
Aus unserer Erfahrung sollten die Zeichenimpulse vorab noch einmal auf Verständlichkeit geprüft werden. Bei der Durchführung waren einzelne Aufgaben zu komplex formuliert und mussten zusätzlich erklärt werden. Für weitere Durchführungen würden wir daher kürzere Sätze und möglichst eindeutige Arbeitsaufträge verwenden.
Auch der Standort der Station sollte berücksichtigt werden. Bei unserer Durchführung befand sich die Station im Außenbereich. Aufgrund der starken Hitze hielten sich am Nachmittag viele Besucher:innen lieber in den klimatisierten Innenräumen auf. Ein schattiger oder innenliegender Standort wäre bei vergleichbaren Wetterbedingungen geeigneter.
Zugänglichkeit und Barrierefreiheit
Connect & Create ist so aufgebaut, dass keine besonderen zeichnerischen Vorkenntnisse notwendig sind. Die Teilnehmenden können die Aufgaben auf unterschiedliche Weise umsetzen und auf ihrem eigenen Niveau arbeiten. Dabei steht nicht die zeichnerische Qualität im Vordergrund, sondern der gemeinsame kreative Prozess.
Bei der Durchführung haben wir gemerkt, dass einige Aufgaben zu kompliziert formuliert waren und deshalb zusätzliche Erklärungen gebraucht haben. Für eine weitere Durchführung würden wir die Zeichenimpulse kürzer, einfacher und klarer formulieren. Außerdem würden wir den Ablauf am Anfang kurz erklären oder vormachen, damit sofort verständlich ist, dass zuerst der Randomizer verwendet und die gezogene Aufgabe anschließend auf der gemeinsamen Papierfläche umgesetzt wird.
Wenn sich jemand mit einer Aufgabe unsicher fühlt, kann es helfen, sie gemeinsam mit einer anderen Person zu bearbeiten. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit freiwillig bleiben.
Als Unterstützung eignen sich:
- kurze und klar formulierte Zeichenimpulse
- mündliche Erklärungen bei Bedarf
- eine kurze Demonstration des Ablaufs zu Beginn
- Partner- oder Gruppenarbeit als Unterstützung
- die Möglichkeit, vorhandene Zeichnungen aufzugreifen und weiterzuführen
- freiwillige Zusammenarbeit ohne Zwang