Recherche mit KI?

Recherche mit KI?
Das Erfahrbarmachen der Grenzen von KI Recherchemöglichkeiten.

by Marlene Mickla

Das Unterrichtskonzept zielt darauf ab, die Recherchekompetenz von Jugendlichen im Umgang mit KI am Beispiel von Le Chat (Mistral) zu fördern. Die Lernenden vergleichen KI-gestützte Recherche mit herkömmlichen Recherchemethoden wie Suchmaschinen, wissenschaftlichen Datenbanken oder Bibliothekskatalogen. Dabei erkennen sie die Stärken und Grenzen von KI und lernen, Informationen hinsichtlich ihrer Korrektheit, Nachvollziehbarkeit und Qualität kritisch zu bewerten. Gefördert werden Medienkompetenz, kritisches Denken und ein reflektierter Umgang mit digitalen Informationsquellen.

Das Unterrichtskonzept setzt sich mit der Frage auseinander, wie Jugendliche KI-gestützte Recherche reflektiert und kompetent nutzen können. Ausgangspunkt ist die praktische Arbeit mit dem Tool „Le Chat“ von Mistral, das gezielt eingesetzt wird, um unterschiedliche Rechercheaufgaben zu bearbeiten. Die Lernenden erhalten dabei Aufgaben mit variierendem Anspruch: von alltagspraktischen Fragestellungen (z. B. Funktionen in Textverarbeitungssoftware) bis hin zu komplexeren Rechercheanforderungen wie dem Finden von Quellen zu aktuellen Themen, wie die Herzkunft und Produktionsbedingungen von Kleidungsstücken. Durch den Vergleich der Ergebnisse mit klassischen Recherchemethoden werden Unterschiede in Qualität, Verlässlichkeit und Nachvollziehbarkeit sichtbar gemacht.

Theoretisch knüpft das Konzept an Ansätze der Medienbildung und digitalen Kompetenz an. Im Mittelpunkt stehen Fragen dazu, wie Wissen im Internet entsteht, wie Algorithmen Informationen beeinflussen und wie KI als Werkzeug zur Informationssuche genutzt werden kann.

Die Aufgabe ist bildungsrelevant, da sie an zentrale Herausforderungen der Lebenswelt von Jugendlichen anschließt: die tägliche Nutzung digitaler Tools, der Umgang mit Informationsflut und die Schwierigkeit, verlässliche von problematischen Quellen zu unterscheiden. Die Lernenden werden dazu befähigt, KI als Gegenstand kritischer Reflexion zu begreifen.

Gefördert werden Medienkompetenz, Recherchekompetenz, kritisches Denken sowie die Fähigkeit zur Quellenbewertung. Darüber hinaus werden metakognitive Kompetenzen gestärkt, indem die Schüler*innen ihre eigenen Rechercheprozesse analysieren und reflektieren.

Der pädagogische Mehrwert liegt darin, dass ein reflektierter Umgang mit neuen Technologien eingeübt wird. Für den Unterricht eröffnet das die IDEA zusätzliche Perspektiven, etwa im Hinblick auf Fragen von Autor*innenschaft, Originalität und Kreativität im Zeitalter von KI. Gleichzeitig lässt sich das Konzept in größere mediale Kontexte einordnen, etwa in Debatten um Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und gesellschaftlichen Wandel.

Die Lernenden sollen unterschiedliche Recherchemethoden vergleichen und bewerten können, Kriterien für verlässliche Informationen entwickeln und anwenden sowie ihre eigene Mediennutzung kritisch reflektieren.

Ablauf und Arbeitsschritte

  1. Einheit:
  • Einstieg (ca. 15 Min, Plenum)
    Kurze Aktivierung: „Wo recherchierst du normalerweise Informationen?“ Sammlung an der Tafel. Einführung in das Tool „Le Chat“ (Mistral). Ziel: Bewusstsein für eigene Recherchegewohnheiten schaffen.
  • A1: Erste Erprobung von KI (ca. 35 Min, Einzelarbeit)
    Die Schüler*innen recherchieren mit „Le Chat“ eine alltagsnahe Frage (z. B. konkrete Funktionen in einer Textverarbeitungssoftware: Wie kann ich in Open Office ein Inhaltsverzeichnis mit Links erstellen? .
    Ziel: Sinnvolle Anwendung von KI erkennen.
  1. Einheit:
  • A2: Komplexere Recherche (ca. 50 Min, Partner*innenarbeit)
    Die Schüler*innen untersuchen mit „Le Chat“ die Herkunft und Arbeitsbedingungen eines ihrer Kleidungsstücke und versuchen dazu (wissenschaftliche) Quellen zu finden.
    Ziel: Grenzen von KI sichtbar machen (z. B. fehlende oder ungenaue Quellenangaben).
  1. Einheit:
  • A3: Auswertung und Reflexion (ca. 25 Min, Plenum)
    Ergebnisse werden präsentiert und gemeinsam diskutiert:
    Wann ist KI hilfreich? Wann problematisch?
    Ziel: Kriterien für gute Recherche entwickeln.
  • A4: Transferaufgabe (ca. 25 Min, Einzelarbeit)
    Die Schüler*innen formulieren Leitlinien für den sinnvollen Einsatz von KI bei Recherche.
    Ergebnis: Kurzer Leitfaden (z. B. Poster oder Stichwortliste).

Materialien: Computer/Tablet, Internetzugang, Zugang zu „Le Chat“, ggf. Bibliothekszugang
Sozialformen: Wechsel zwischen Einzel-, Partner*innen- und Gruppenarbeit
Ergebnisform: Vergleichsdokumentation + Leitfaden
Bewertungskriterien: Nachvollziehbarkeit der Analyse, Reflexionsfähigkeit, Qualität der Kriterienentwicklung

  • Danah Boyd (2018): You Think You Want Media Literacy… Do You? (Artikel)
    → Kritische Auseinandersetzung mit Medienkompetenz und der Bewertung von Online-Informationen.
  • European Commission (2026): Guidelines on the ethical use of artificial intelligence and data in teaching and learning or Educators
    → EU-Leitlinien zum reflektierten Einsatz von KI im Bildungsbereich.
Auf dem Foto ist eine Person abgebildet, die sich gerade das Etikett ihres Pullovers ansieht.
Recherche über Bekleidungsherkunft

RRecherche über Bekleidungsherkunft © 2026 by Marlene Mickla is licensed under CC0.

Das Unterrichtskonzept wurde von Marlene Mickla im Rahmen der Lehrveranstaltung “Multimediale Kunst und Wissensräume” an der Kunstuni Linz entwickelt und wurde bereits teilweise im schulischen Setting erprobt. Einzelne Elemente orientieren sich an bestehenden Unterrichtserfahrungen der Autorin im schulischen Kontext.

Das Konzept richtet sich an Jugendliche der Sekundarstufe I und ist insbesondere für Fächer mit medienpädagogischem Bezug geeignet (z. B. Kunst und Gestaltung, Digitale Grundbildung, Sprachenunterricht). Es kann sowohl als Einzelstunde als auch als Teil einer Unterrichtsreihe zum Thema Künstliche Intelligenz und digitale Recherchekompetenz eingesetzt werden.

Author’s Encouragement
Lehrkräfte sollten dieses Konzept ausprobieren, weil KI-gestützte Recherche längst selbstverständlich zur Lebenswelt vieler Jugendlicher gehört. Schule kann dabei einen wichtigen Raum schaffen, um den Umgang mit diesen Technologien nicht nur anzuwenden, sondern auch kritisch zu reflektieren. Die Unterrichtseinheit verbindet aktuelle Lebensrealitäten mit zentralen Bildungszielen wie Medienkompetenz, Quellenkritik und selbstständigem Denken. Gleichzeitig eröffnet sie einen motivierenden Zugang zu Fragen rund um Digitalisierung, Wissen und Verantwortung und macht erfahrbar, dass KI ein hilfreiches Werkzeug sein kann, jedoch immer aktiv auf ihre Richtigkeit überprüft werden muss.

Prior Knowledge and Preparation
Für die Durchführung der IDEA sollte die Lehrperson grundlegende Kenntnisse über KI-gestützte Sprachmodelle und digitale Rechercheformen mitbringen. Besonders wichtig ist es, die Funktionsweise, aber auch die Grenzen von KI-Tools wie „Le Chat“ zu verstehen, um die Ergebnisse der Schüler*innen einordnen und moderieren zu können. Empfehlenswert ist es, das Tool im Vorfeld selbst auszuprobieren und beispielhafte Rechercheaufgaben durchzuführen, um mögliche Fehlerquellen oder ungenaue Quellenangaben kennenzulernen.

Die Lernenden sollten bereits über grundlegende Recherchekompetenzen verfügen, etwa den Umgang mit Suchmaschinen, das Bewerten einfacher Quellen sowie Basiswissen zu wissenschaftlicher Recherche. Hilfreich sind außerdem grundlegende Kenntnisse über digitale Medien und den kritischen Umgang mit Informationen im Internet. Spezifisches Vorwissen zu KI ist nicht zwingend notwendig, da zentrale Aspekte gemeinsam im Unterricht erarbeitet werden.

Die inhaltliche Vorbereitung der Lehrperson umfasst etwa 2–4 Stunden. Dazu zählen das Einarbeiten in das KI-Tool, das Vorbereiten geeigneter Rechercheaufgaben sowie das Testen möglicher Ergebnisse und Problemstellungen. Zusätzlich sollte die Lehrperson Vergleichsquellen vorbereiten, etwa Zugänge zu JSTOR oder Bibliothekszugang.

Der Raum sollte mit einer stabilen Internetverbindung sowie digitalen Endgeräten (Laptop oder Tablet) ausgestattet sein. Idealerweise arbeiten die Schüler*innen einzeln oder in Zweierteams an eigenen Geräten. Vor der Durchführung sollte geprüft werden, ob der Zugang zu „Le Chat“ funktioniert und ob gegebenenfalls Accounts benötigt werden.

Empfohlene Literatur und Materialien

  • European Commission (2026): Guidelines on the ethical use of artificial intelligence and data in teaching and learning or Educators
    → Überblick über Chancen und Risiken von KI im Bildungsbereich.
  • UNESCO (2024): Media and Information Literacy Curriculum for Teachers
    → Grundlagenwerk zu Medien- und Informationskompetenz.
  • JSTOR
    → Beispiel für wissenschaftliche Recherche und Quellenvergleich.
  • Mistral AI – Le Chat
    → Das im Unterricht verwendete KI-Tool.

Accessibility
Die IDEA kann flexibel an unterschiedliche Lernvoraussetzungen angepasst werden. Da die Aufgabenstellungen alltagsnah und praxisorientiert aufgebaut sind, eignet sich das Konzept grundsätzlich für verschiedene Schulstufen. Die Komplexität der Rechercheaufgaben kann individuell variiert werden: Lernende mit weniger Vorwissen bearbeiten eher konkrete und einfache Suchaufträge, während fortgeschrittene Schüler*innen komplexere Fragestellungen oder wissenschaftliche Recherchen analysieren.

Zur sprachlichen Unterstützung können vereinfachte Arbeitsaufträge, Schritt-für-Schritt-Anleitungen oder vorbereitete Prompt-Beispiele bereitgestellt werden. Auch Glossare zu Begriffen wie „Quelle“, „Algorithmus“ oder „wissenschaftliche Recherche“ können helfen, sprachliche Barrieren zu reduzieren. Unterstützend wirken zudem gemeinsame Beispieldurchgänge im Plenum, bei denen Rechercheprozesse gemeinsam analysiert werden.

Für Beginner*innen mit geringerer Medienkompetenz können klare Rechercheleitfäden oder Vergleichstabellen zur Bewertung von Quellen angeboten werden. Partner*innen- oder Gruppenarbeit ermöglicht zusätzlich kooperatives Lernen und gegenseitige Unterstützung.

Auch technische und praktische Barrierefreiheit sollte berücksichtigt werden. Digitale Materialien sollten übersichtlich gestaltet und gut lesbar sein. Wenn nötig, können Texte in größerer Schrift oder mit Screenreader-kompatiblen Formaten bereitgestellt werden. Alternativ können Ergebnisse auch mündlich präsentiert oder diskutiert werden, um unterschiedliche Ausdrucksformen zu ermöglichen.

Die IDEA bietet insgesamt viele Möglichkeiten zur Differenzierung, da sowohl die Schwierigkeit der Rechercheaufgaben als auch die Form der Ergebnissicherung flexibel angepasst werden können.

Additional Tools
Open Office oder Alternative
Für alltagsnahe Rechercheaufgaben und praktische Beispiele.